Johannes Brahms trifft auf feurige Rhtythmen

17 May 2018

Baumholder. Vermutlich hätte nicht einmal Johannes Brahms sein Stück wiedererkannt: Denn aus dem, was die brasilianische Vier-Mann-Combo Quartcheto bei ihrem Auftritt in der Brühlhalle aus dem "Ungarischen Tanz Nr. 1" machte, war das Original aus der ungarischen Puszta nur noch mit einiger Fantasie herauszuhören. "Wir spielen das Stück nach unseren Regeln", hatte Ricardo Arenhaldt, der Sprecher der Band, angekündigt. "Unsere Regeln", das bedeutet: so viel Feuer wie möglich in die Melodie zu bringen, die im ungarischen Vorbild zwar schon einigermaßen Temperament hat, aber in der brasilianischen Version eine Fahrt aufnimmt, bei der man am liebsten aufspringen und im Sambarhythmus mittanzen möchte. 

Die Viermannband ist gerade auf einer kleinen Deutschlandtournee, spielt zwei Wochen lang zwischen München nd Rammstein und wohnt in einem kleinen Ort bei Kaiserslautern. Nach Baumholder kam das Ensemble über den Musikverein Ruschberg, den Gastgeber des Abends in der Brühlhalle: Der hatte im vorigen Jahr ein brasilianischer Orchester aus dem deutschstämmigen Süden Brasiliens zu Gast. Auch Quartcheto kommt aus der Gegend von Porto Alegre. Als die Combo für ihr Tourenprogramm noch einen freien Termin besetzen wollte, fragte sie den Dirigenten des Orchesters, ob er vielleicht einen Auftritt empfehlen könnte.

Der erinnerte sich an den MV Ruschberg und stellte den Kontakt mit dessen Dirigenten Georg Bußmann her. Für Quartcheto selbst ist der Termin in Baumholder ein Kurztrip: Dei vier Musiker wohnen bei ihrem Aufenthalt in Deutschland in der Nähe von Kaiserslautern. Theo Pfleger, der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins in Relsberg im Kreis Kusel, hatte die Tournee der vier in Deutschland organisiert.

Die Unterbringung bei Theo war für die vier in der Vergangenheit auch musikalische Inspiration: An einem Abend hörten sie eine Nachtigall singen. Sie nahmen ihr Zwitschern auf Band auf und mischten es mit ihrer eigenen Musik. Wie das geht, zeigten sie in der Brühlhalle: Die Nachtigall fängt an, dann kommt Arenhaldt mit den Drums dazu, kurz darauf setzt auch Julio Rizzo mit seiner Posaune ein, Hilton Vaccari an der Gitarre als Nächstes, und zum Schluss spielt dann auch noch das Akkordeon von Luciano Maia mit. Wenn die vier loslegen, hat die Nachtigall keine Chance: Ihr Tschirpen ist erst wieder am Schluss zu hören, wenn das Quartett seine Instrumente beiseitelegen.

"Veegelche" nennt Ricardo Arenhaldt die Nachtigall, so, als ob er im alten Hunsrücker Dialekt sprechen würde. Arenhaldt ist der Redner im Quartett, weil er als Einziger Deutsch sprechen kann, also das Hunsrücker Platt, das seine Vorfahren nach Brasilien mitgenommen hatten, als sie auswanderten. Sein Duktus erinnert an diese Zeit, vor allem wenn er Worte wie "Pelznickel" verwendet, ein Ausdruck, der im Hunsrück wohl nur noch von Sprachhistorikern benutzt wird. 

Die Musiker von Quarcheto komponieren die meisten ihrer Lieder selbst, sie spielen brasilianische Rhythmen wie Samba und Musikstile aus den Nachbarländern ihrer Region im Süden Brasiliens: Aus Argentinien kommen Chacarera und Chamamé, aus Uruguay der Milonga. Und egal, wie die Stile sich nenne, sie haben alle eins gemeinsam: Es wird heiß, wenn man sie hört.

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now