Phil Collins trifft auf Modest Mussorgsky

15 May 2018

Konzert. Musikverein bot Rock und Klassik.

 

Kantor Bach und Phil Collins im selben Konzert, Bizets "Carmen" mit seinem wilden Fortissimo aus der Habanera und das Saxofonsolo in Gerry Rafferty "Baker Street": Die Mischung von Klassik und Rockpop ist nichts Ungewöhnliches im modernen  Orchesterrepertoire - die Abwechslung kann einen solchen Musikabend spannend machen. Der Musikverein Ruschberg hatte in seinem Osterkonzert am Sonntag im Bürgerhaus die so unterschiedliche Musik sauber getrennt: Klassik vor der Pause, Pop, Rock und Neue Welle im zweiten Teil. Und damit es optisch keine Irritationen gab, tauschte Dirigent Georg Bußmann in der Pause seinen Frack gegen ein Glitzerkostüm.

Zum Einstieg in den Konzertabend lieferten sich Carina Wagner und Matthias Martini, der Vorsitzende des Musikvereins, ein (nicht ganz ernst gemeintes) Streitgespräch. "Klassik und Rock? Das geht so nicht. Die Leute wollen fetzige Musik hören, die wollen mitsingen und mitklatschen", wehrte sich die junge Frau gegen Klassik im Programm. Und wie bestellt rief aus dem hinteren Teil des Saals jemand: "Jawohl!"

Die Mischung aus beiden Musikstilen wurde von Anfang an gepflegt: Das Jugendorchester begann mit Beethovens 9. Sinfonie und einem Stück über die Freiheitsglocke, die 1776 läutete, als die amerikanische Unabhänigkeitserklärung verlesen wurde; kurz darauf spielten sie Queens "We Will Rock You".

Auch das Erwachsenenorchester hatte Queen und damit Freddy Mercury in seinem Programm, den Mann, der gern auch mal Opernklänge in seine Kompositionen einbaute: "Bohemien Rhapsodie" ist so ein Lied, ein Stück, aus dem die Produktionsfirma ursprünglich den Opernteil herausnehmen wollte - und erst nachgab, als sie merkte, dass das Publikum das Werk so wollte, wie es war.

Es geht also. Vermutlich wird Johann Sebastian Bachs "Toccata" nie einen Erfolg wie das Queen-Stück haben, aber die Moll-Töne waren nett anzuhören. Das Blumenduett aus der französischen Oper "Lakmé" ist ein Stück, das in leisen Tönen von schmachtender Liebe erzählt und auch in der Version einer Bläserbesetzung gut anzuhören ist, in der sich Denise Decker und Ina Martini mit Querflötensoli heraushoben.

Im "Tanz der Stunden" aus der Oper "La Gioconda" muss man sich eine Primaballerina vorstellen, die zu allen Tageszeiten tanzt und dabei orchestral begleitet wird. In "Großes Tor von Kiew" geht Komponist Modest Mussorgsky den Weg von leisen Klängen bis zum laut tönenden Glockengeläut.

Mit Phil Collins begann der zweite Teil. Das Orchester setzte Lieder wie "Another Day in Paradise" und "You Can't Harry Love" für Bläser und Drums um, in Gerry Rafferty "Baker Street" kann man sich Straßenmusiker vorstellen, die an den Rolltreppen in Londons U-Bahn stehen und singen. Für die Saxofoneinlagen standen Josephine und Marina Martini vor ihren Musikerkollegen. Von Rafferty kam das Orchester auf 80er-Jahre-Hits wie "Rock Me Amadeus" und "Skandal im Sperrbezirk" und ging über in ein Lied, das perfekt zum Ende eines Konzertabends passt: "Music" von John Miles.

Alexander Loch vom Kreismusikverband zeichnete Moritz Doll für zehn Jahre aktives Singen [sic!] aus und Marco Schneider für 40 Jahre. Heidi Alsfasser wäre mit 20 Jahren Aktivenzeit zwar Kandidatin für eine Auszeichnung gewesen, war aber an diesem Abend krank.

 

 

 

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